5. Februar 2026

Martin Nixdorf, Vorstand der Heinz-Nixdorf-Stiftung, im Interview mit Markus B. Jaeger

Die Berlin Brandenburg Baseball Akademie e.V. (BBBA) wurde Mitte 2018 gegründet. Die BBBA hat das Ziel, junge und talentierte Baseball-Nachwuchsspieler mit Augenmaß, Expertise und Leidenschaft positiv und nachhaltig zu stärken.

Die Hauptstadt-Region Berlin mit dem Speckgürtel Brandenburg verfügt über viele Baseballvereine. Das internationale Baseball-Potenzial Berlins ist hoch. Dies hat 2018 auch die dem Sport gegenüber sehr offene Heinz-Nixdorf-Stiftung bzw. Martin Nixdorf erkannt. Die Heinz-Nixdorf-Stiftung zählt zu den BBBA-Förderern der ersten Stunde. Mit einer ausgesprochen großzügigen jährlichen finanziellen Unterstützung sichert die Stiftung seit der Gründung der BBBA unser sportlich erfolgreiches Wirken. In einer neuen Vereinbarung zwischen der Heinz-Nixdorf-Stiftung und der BBBA wurde jüngst die Verlängerung der Förderung bis ins Jahr 2028 vereinbart – dann feiert die BBBA den 10. Geburtstag.

Die erfolgreiche Arbeit der BBBA, die dafür ursächliche Unterstützung der Heinz-Nixdorf-Stiftung und die jüngste Bestätigung bzw. Neuwahl des BBBA-Vorstandes hat der 2. Vorsitzende der BBBA, Markus B. Jaeger, zum Anlass genommen, um sich mit Martin Nixdorf, dem Sohn des Stiftungsgebers Heinz Nixdorf, zu unterhalten. Martin Nixdorf ist auch Vorsitzender der Heinz-Nixdorf-Stiftung.

Markus B. Jaeger: Vielen Dank, lieber Herr Nixdorf, dass Sie der BBBA für ein Interview zur Verfügung stehen. Einen herzlichen Dank auch im Namen der BBBA-Mitglieder für die Unterstützung unserer Arbeit durch die Heinz-Nixdorf-Stiftung. Wir wissen sehr wohl zu schätzen, welchen positiven Einfluss Sie persönlich auf das Wirken der Stiftung haben. Was war im Jahr 2018 Ihre Motivation, die BBBA und damit den Baseball in der Hauptstadt-Region so großzügig zu fördern?

Martin Nixdorf: Zunächst möchte ich allen Berliner Beteiligten herzlich zur Deutschen Meisterschaft 2025 bei der Jugend gratulieren. Ein toller Zeitpunkt, Ihre Fragen beantworten zu dürfen. Nachwuchsleistungszentren sollte es an möglichst vielen Standorten in Deutschland geben, und es hat sich in den letzten Jahren einiges in dieser Hinsicht getan. Berlin hat eigentlich perfekte Rahmenbedingungen: etliche Vereine und relativ kurze Wege, sowie eine ordentliche Historie und damit Baseball Know-How – ein schlummernder Riese. Es war Georg Bull und mir ein Bedürfnis, dieses Potential an der uns wichtigsten Stelle zu unterstützen und freizukitzeln.

Markus B. Jaeger: Mit Georg Bull, einer der im Positiven schillerndsten Baseball-Figuren in Deutschland, hat die BBBA nicht nur ein prominentes und weltweit in der Baseball-Szene bekanntes Ehrenmitglied, sondern auch einen besonderen Fürsprecher an ihrer Seite. Auch bei der Deutschen Baseball Akademie (DBA) ist Georg Bull einer der sportlichen Köpfe. Die DBA wird wie die BBBA von der Heinz-Nixdorf-Stiftung gefördert. Die Erfolge der U12, U15 und U18 Teams der DBA, die inzwischen offiziell für alle drei Nachwuchsnationalmannschaften des Deutschen Baseball- und Softball Verbandes (DBV) verantwortlich ist, sprechen Bände – erfolgreiche Bände: wiederholt Europameister U12 und U15, ausgezeichnete Platzierungen der U18 auf europäischer Ebene. Und auch global sorgt der Deutsche Nachwuchsbaseball zum Teil für aufsehenerregende Platzierungen. Es scheint also sehr viel richtig zu sein mit dem Konzept, dass Sie für den Deutschen Nachwuchsbaseball aufgesetzt haben. Was ist der Schlüssel zum Erfolg und wo kann der Deutsche Baseball mittel- und langfristig auch im Herrenbereich stehen?

Martin Nixdorf: Das kontinuierliche „immer weiter“ im Wettbewerb auf höchstem Niveau ist ein Schlüssel zum Erfolg. Die Erfolge sind schön, ein Beweis an der richtigen Stelle aktiv zu sein. Aber schon die Teilnahme an allen wichtigen Spielen eines Turniers als Beispiel reichen aus, um sich weiter zu entwickeln. Die Erfahrungen, der Austausch mit den Erfolgstrainern auf der gegnerischen Seite, der Wettkampf auf Augenhöhe, den Sieg oder die Niederlage verarbeiten, das alles ist immer ein kleiner Schritt, um besser zu werden.

Markus B. Jaeger: Der Baseball in Paderborn zeichnet sich traditionell durch die Ausbildung deutscher Nachwuchsspieler aus. Im Bundesligateam wird bis auf vereinzelte Ausnahmen auf den Einkauf von Importspielern verzichtet. Wertvolle Ressourcen werden somit nicht in „Baseball-Söldner“ für den schnellen Erfolg gesteckt, sie werden vielmehr nachhaltig investiert. Auch in Sachen Infrastruktur – in allen Belangen – ist Paderborn bundesweit einer von zwei sehr gut ausgestatteten Standorten. Ist es aus Ihrer Sicht ein realistischer Plan, dieses Konzept auch langfristig auf den Standort Berlin zu übertragen – quasi Paderborn 2.0 nur mit internationalerem Flair?

Martin Nixdorf: Jeder Standort hat seine eigenen Herausforderungen. Der Spielermix und die Strategie ergeben sich daraus. Unsere Erfahrungen in den letzten 2 Jahren mit einer hochwertigen Spiel- und Trainingsinfrastruktur in Paderborn sind bemerkenswert positiv. Die Verlässlichkeit, bei fast allen Witterungsbedingungen aktiv sein zu können, wirkt sich positiv auf unser Wachstum aus. Dies übertragen auf Berlin könnte ein echter Gamechanger sein.

Markus B. Jaeger: Ein Ziel bei der Gründung der BBBA im Jahr 2018 war, den besten Nachwuchstalenten im Hauptstadtbaseball eine Möglichkeit zu geben, auf einem höchstmöglichen Level „zu Hause“ zu trainieren. Damit sollte eine Abwanderung vom Standort Berlin und somit der spielerisch-strukturellen Schwächung zuvorgekommen werden. Wie erfolgreich das Konzept für die Hauptstadtregion ist, hat der jüngste DBV U15-Länderpokal gezeigt. Das Team aus Berlin/Brandenburg hat erstmals in der Geschichte den 2. Platz errungen. Von den 15 Spielern des Auswahlteams sind 12 BBBA-Mitglieder. Ihre Gratulation oben hat es quasi schon angedeutet: Erstmals in der Geschichte des Hauptstadtbaseballs ist ein Berliner Vereinsteam Deutscher U15-Meister geworden. Den Berlin Wizards ist das sogar auf dem eigenen Platz geglückt – im Endspiel wurde das U15-Team aus Paderborn deutlich nach der Mercy-Rule geschlagen. Die gesamte Starting-Line-Up des Wizards U15-Teams trainiert auch bei der BBBA. Allerdings: Zum Schuljahr 2025/2026 wechselten drei Nachwuchs-Baseballer der BBBA an das Internat in Paderborn. Wie harmoniert das mit den Zielen der BBBA und wäre es ein gangbarer Weg, auch in Berlin – wegen der Ballung und der relativ kurzen Wege – eine Art „Baseball-Internat light“ mit Übernachtungen regulär im Elternhaus aufzubauen?

Martin Nixdorf: Paderborn musste in dieser Saison den Abgang fast einer gesamten Bundesligamannschaft verkraften. Innerhalb des Internats gibt es zudem auch immer eine gewisse Fluktuation, es unterstützt aber ab einer gewissen Größe die kritische Masse, um auch bei großen Umwälzungen bestehen zu können. Welche Prioritäten in Berlin gesetzt werden müssen, vermag ich aus der Ferne nicht zu beurteilen. Keine 1. Bundesligamannschaft vorweisen zu können, ist sicherlich stark kontraproduktiv. Die Infrastruktur hatte ich schon erwähnt und stellt auch einen Kostenpunkt dar. Dann noch die Aufwendungen für ein Internat. Alle Themen sollte man langfristig angehen. Um dort aber hinzukommen, muss man Lösungen finden, um auch in Berlin eine kritische Größe zu erreichen. Top-Athleten werde ich immer wieder verlieren, das gilt für jeden. Danach aber weiter angreifen zu können, eröffnet einem die Chance, den nächsten Schritt zu machen.

Markus B. Jaeger: Nach turbulenten Anfangsjahren und dem Corona-Gap ist die BBBA seit drei Jahren mit neuem Vorstands-Trio, dass von den jeweiligen Kompetenzen her sehr breit aufgestellt ist, auf einem geradlinigen Erfolgsweg. Bei der jüngsten Vorstandsneuwahl wurde der Kurs von den Mitgliedern bestätigt. Auch die Baseball-Szene in Berlin hat einen Wandel vollzogen. Wäre es aus Ihrer Sicht nun ein geeigneter Zeitpunkt für die BBBA, den nächsten Schritt zu gehen – ähnlich wie die DBA, als sie für den DBV-Nachwuchs Verantwortung übernommen hat?

Martin Nixdorf: Sich auf dieser Ebene zusammenzuraufen und als Berlin an einem Strang zu ziehen, erscheint mir extrem wichtig. Die Lage ist vielleicht vergleichbar mit Europa, der EU. Man muss lernen, nur für die Dinge aktiv zu werden, die einzelne Staaten, hier Vereine, nicht allein bewältigen können. Die individuelle Vielfalt sollte erhalten bleiben.

Markus B. Jaeger: Zum Abschluss eine traditionelle Frage aus einem Bewerbungsgespräch – wir nennen es an dieser Stelle allerdings Visionsfrage, ohne dabei zu erörtern, ob ein Mensch mit Visionen lieber einen Arzt aufsuchen sollte. Was ist Ihre Vision für den Baseball in Paderborn und in der Hauptstadtregion? Wo sehen Sie den Deutschen Nachwuchs- und Herrenbaseball in 5-10 Jahren? Was muss noch getan werden, damit die Vision ein zu erreichendes Ziel wird?

Martin Nixdorf: Ich habe die DBA gegründet, weil das Spielniveau in der Breite bei Deutschen Jugendmeisterschaften erschreckend schwach war. Heute interessiert mich mehr, wie wir das Auftreten unser Jugend-Nationalmannschaft bei der nächsten Weltmeisterschaft unterstützen können. Ich hoffe einfach, dass wir diesen Weg noch lange alle gemeinsam gehen können. Was dies dann für die einzelnen Standorte bedeutet, wird spannend zu beobachten sein.

Markus B. Jaeger: Vielen Dank für das Interview, lieber Herr Nixdorf.

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